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Die Macht des gesprochenen Wortes

Schick Männer aus, dass sie auskundschaften das Land Kenaan, das ich den Kindern Jisrael gebe“Bamidbar 13:2

Zeitplan der Meraglim

Parschat Schlach beginnt mit der Geschichte der Meraglim. Raschi bemerkt, dass die letzte Parscha mit der Geschichte endete, wie Miriam Tzaras bekam und vom Lager herausgeschickt wurde weil sie Laschon Hara über Mosche gesprochen hat. Der Beginn dieser Parscha mit den Meraglim, scheint einen Zusammenhang zwischen diesen zwei Begebenheiten anzudeuten. Raschi stört aber die Tatsache, dass sie sich chronologisch nicht nahe beieinander ereigneten. Die Ereignisse des Aufstands von Korach erfolgten dazwischen.

Raschi erklärt, die Torah hätte diese zwei Ereignisse zusammengestellt um uns etwas zu lehren: Wären die Meraglim nicht so boshaft gewesen, hätten sie von den Geschehnissen mit Miriam gelernt, und dies hätte sie von ihrem negativen Report über das Land abgehalten. Raschi erklärt jedoch, dass: „Diese boshaften Leute sahen was geschah, aber nicht davon lernten“.

Die Sünde der Meraglim war nicht Laschon Hara

Das Problem mit diesem Raschi ist, dass die Sünde der Meraglim nichts mit  Laschon Hara zu tun hatte; es wurde von mangelndem Glauben in HASCHEM ausgelöst. Als sie das Land betraten, sahen sie Riesen, welche gefestigte Städte bewohnten. Sie waren Zeugen von sterbenden Menschen auf allen Seiten. Ihrer Ansicht nach, würden alle, Männer, Frauen und Kinder massenhaft abgeschlachtet, wenn die Juden versuchen würden, das Land zu erobern.

Klar, sie hatten einen Mangel an Bitachon. Ihr Vertrauen in HASCHEM war unzureichend. Aber sie waren nicht des Laschon Hara Sprechens schuldig. Zuerst gibt es kein Verbot, über ein Land Laschon Hara zu sprechen. Land ist leblos. Es ist uns verboten geringschätzig über Menschen zu sprechen – nicht Steine.

Von noch grösserer Bedeutung ist, dass diejenigen Dinge die die Meraglim sprachen, nachdem sie ihren Fehler begingen und folgerten, dass HASCHEM nicht mächtig genug sei um uns in das Land zu bringen, gar kein Laschon Hara war. Gemäss ihren Überlegungen, retteten sie das jüdische Volk von der völligen Vernichtung, in welchem Fall das Gerede nicht verboten war; es war eine Mitzva.

Warum verbietet die Torah Laschon Hara?

Die Antwort auf die Frage rührt von dem Verständnis, warum die Torah Laschon Hara verbietet. Der Rambam definiert Laschon Hara als Worte die verletzen, Worte die schädigen. Ob sie der Person Scham oder Verlust des Einkommens verursachen, oder seinen Rufs beflecken, die genaue Definition von Laschon Hara ist Worte die Schaden verursachen. Dies ist der Grund warum die Torah es uns verbietet, Laschon Hara zu sprechen – nicht weil die Torah so streng ist, sondern weil Worte solch schädliche Wirkung haben können.

Um den Schaden der durch Worte verursacht werden können zu schätzen, soll man sich vorstellen ich hätte einen Umhang entdeckt, der unsichtbar macht. Wenn ich diesen Umhang anziehe, kann ich frei umherlaufen ohne von jemandem gesehen zu werden. Man stelle sich nun vor, ich möchte ein bisschen Spass haben nachdem ich diesen Umhang gefunden habe. Als ich durch das Beis Hamidrasch gehe, nehme ich das Sefer eines Kameraden und kehre es auf die andere Seite. Oh, seine Reaktion wenn er es sieht! Dann gehe ich rüber zu einem weiteren Kameraden und schliesse seine Gemara. „Hei, was ist passiert?“. Als nächstes sehe ich eine Chavruse die kurz aufgestanden ist. Ich gehe herüber und stelle ihre Gemarot zurück ins Büchergestell. „Was…?“

Ich habe eine vergnügte Zeit!

Nach einer Zeit werde ich etwas kühner. Wenn jemand vorbei läuft, lasse ich meinen Fuss auf dem Gang. „Heiiiiiiiiiiiii!“ schreit er als er mit einem Krach auf den Boden fällt.

„Dies ist lustig“, denk ich mir. Und jetzt komme ich erst recht in Schwung

Wenn ein Kamerad vorbeiläuft, boxe ich ihm in den Magen, „Ohhhhhhhhhhhh!“. Den nächsten Kerl schlage ich in den Rücken, „Aggggh!“. Und bevor man sich versieht, fallen Leute, werden geschlagen und werden ernsthaft verletzt. Der Witz ist nicht weiter lustig.

Der Chofetz Chaim macht uns darauf aufmerksam, dass die Torah sich einen Fluch für denjenigen aufspart, der „seinen Nächsten schlägt, während er sich versteckt“. Chazal erklären, dass sich dies auf denjenigen bezieht der Laschon Harah über seinen Nächsten spricht. Warum bin ich so unachtsam bezüglich was ich über ihn sage? Weil er nicht hier ist. Würde er gleich hier nebenan stehen, würde ich nie sagen, was ich gesagt habe. Ich sage es nur weil er nicht in der Nähe ist. In diesem Sinne, schlage ich ihn während ich mich verstecke.

Einer der Gründe dafür, dass wir Mühe haben unser Gerede zu kontrollieren ist, dass wir es nicht als wirklich schädigend betrachtend. „ Was ist das schon für eine grosse Sache, wenn ich eine oder zwei interessante Geschichten erzähle?“ sagen wir. Während ich nie davon träumen würde, jemanden physisch zu verletzen, bin ich wesentlich weniger besorgt wenn es darum geht, einen Ruf zu ruinieren, einem Business zu schädigen, oder jemanden Schaden zuzufügen, in der Art wie Leute ihn wahrnehmen. Die Torah lehrt uns, dass Laschon Harah aufgrund der Macht der Worte und dem Schaden die sie zufügen können, verboten ist. Dies ist es, warum die Worte verboten sind.

Die Macht der Sprache

Die Antwort auf die Frage bezüglich den Meraglim scheint darin zu liegen, dass sie das was Miriam geschah, hätten sehen und daraus eine Lehre lernen sollen – die Macht der Sprache. Sie hätten sich denken sollen: „Wenn solch eine Tzadekes etwas lediglich geringfügig fragwürdiges über ihren Bruder den sie liebte und verehrte gesagt hat, und deshalb für sieben Tage aus dem Lager herausgesandt werden musste, um Scham und Demütigung zu erleiden, was lehrt uns das über den Einfluss ihrer Worte? Warum hat HASCHEM sich so streng mit ihr verhalten? Es muss sein, dass was sie tat, viel ungeheuerlicher war, als wir realisieren. Es muss sein, dass ihre Worte – obschon bloss gesprochen – eine starke Kraft haben“.

Hätten die Meraglim diese Lehre gelernt, wären sie viel vorsichtiger gewesen in ihrem Gerede. Sie hätten viel über die Konsequenzen ihrer Worte nachgedacht, was sie schliesslich dazu gebracht hätte aufzuhören und sich zu denken: „Bevor wir diese Botschaft überbringen, sind wir uns sicher? Sind wir uns hundert prozentig sicher, dass das jüdische Volk sterben wird bei dem Versuch das Land einzunehmen? Hat HASCHEM uns nicht von Mizrajim herausgeführt? Hat HASCHEM nicht das Meer für uns gespalten?“.

Die Macht der Sprache zu verstehen, hätte sie dazu veranlasst, über die Konsequenzen nachzudenken, und das Resultat hätte ganz anders sein können.

Dieses Konzept hat grosse Relevanz in unserem Leben. Den meisten Schaden den wir durch unser Gerede anrichten, ist nicht bösartig oder mit schlechter Absicht. Wir sprechen ohne über die Konsequenzen nachzudenken, ohne das Ergebnis zu erwägen. Die Torah lehrt uns die Macht dieser Worte und wie vorsichtig wir mit dem was wir sagen umgehen müssen, nicht weil die Torah machmir ist, wenn es um Sünden des Sprechens geht, sondern aufgrund dem Effekt zu helfen oder zu schaden, der die Sprache in sich hat – aufgrund der Macht des gesprochenen Wortes.

Dies ist ein Auszug aus dem Shmuz auf dem Parsha Buch..

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