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Glauben und nicht glauben

“Da gingen Noach und seine Söhne und seine Frau und die Frauen seiner Söhne mit ihm in die Arche, vor dem Gewässer der Flut“ – Bereschit 7:7

HASCHEM teilte Noach mit, dass seine ganze Generation boshaft war und vernichtet wird. Nur er, seine Familie und bestimmte ausgesuchte Tiere werden gerettet werden. HASCHEM befahl dann Noach eine Teiwah zu bauen – 300 Amot lang, 50 Amot breit und 30 Amot hoch – in welcher sie fast ein Jahr lang leben werden.

Als die Flut wirklich begann, schreibt der Passuk, Noach und seine Familie sind in die Arche gegangen „vor dem Gewässer der Flut“. Raschi bemerkt, dass diese Worte andeuten, dass es das Wasser war welches Noach dazu bewegte in die Teiwah zu gehen, nicht HASCHEM’s Anweisung. Folglich schreibt Raschi, Noach war ein מאמין ואינו מאמין „Jemand der glaubte und nicht glaubte“. Auf der einen Seite glaubte er, dass HASCHEM die Flut bringen wird, aber auf der anderen Seite glaubte er nicht, dass es passieren wird. Folglich ging er tatsächlich nicht in die Teiwah, bis ihn der Regen dazu zwang.

Dieser Raschi wird schwer zu verstehen, wenn wir manchen Hintergrund des Ereignisses mit in Betracht ziehen.

Noach war ein Tzadik

Noach wird ein איש צדיק, ein gerechter Mann genannt. Ob er im Vergleich zu Awraham ein Tzadik genannt würde, ist ein Punkt über den diskutiert werden kann, es besteht aber keine Frage, dass er in seiner Generation als vorbildliches Individuum betrachtet wurde, so sehr, dass HASCHEM ihn dazu auserwählt hat, die einzige Person zu sein um die menschliche Rasse wieder aufzubauen. Wie ist es also möglich, dass wenn HASCHEM ihm mitteilte, es werde eine Flut geben, er es nicht glaubte?

Diese Frage wird noch dazu verstärkt, wenn wir die Situation in ihrem weiteren Zusammenhang betrachten. Viele der Rischonim fragen: „Warum verlangte HASCHEM von Noach, die Teiwah zu bauen? Wenn HASCHEM die Generation vernichten und Noach retten wollte, gab es viele Wege dies zu tun. Warum diesen Tzadik damit bemühen, die Pläne zu zeichnen, das Holz zu hacken und die Teile zusammenzubauen? HASCHEM hätte ihn durch ein Wunder retten können, ohne dass Noach ein Zimmermann hätte werden müssen.

Raschi antwortet, dass HASCHEM der Generation eine letzte Möglichkeit geben wollte, um Tschuwa zu tun. Wenn Noach an der Teiwah arbeiten wird, werden Leute ihn sehen und fragen: „Was baust du?“

„HASCHEM sagte mir, Er wird die Welt vernichten“, wird er antworten. „Die einzige Hoffnung besteht darin, zu bereuen. Macht Tschuwa“.

Für 120 Jahre, während er die Teiwah baute, war Noach auf einer Mission, seine Nachbarn davon zu überzeugen, dass HASCHEM einen Mabul bringen und die bewohnte Welt zerstören wird… es sei denn, sie werden ihre Wege ändern.

Mit dem, wird die Frage viel schwerer. Hier haben wir einen Mann den die Torah einen Tzadik nennt, zu dem HASCHEM direkt sprach. Er vernahm von HASCHEM Selbst, was genau passieren wird. Er verbrachte anschliessend Jahr um Jahr damit, diese Mitteilung den Menschen zu predigen. Wie ist es möglich, dass er es selbst nicht glaubte?

Die Natur des Menschen

Die Antwort auf diese Frage basiert auf dem Verständnis der menschlichen Natur. Als HASCHEM den MENSCHEN erschuf, fügte Er zwei abweichende Elemente zusammen und verband sie zu einer Einheit. Ein Teil von mir möchte nur das tun, was richtig und gehörig ist, wünscht sich nur was gut ist und sehnt sich danach, HASCHEM nahe zu sein. Dieser Teil von mir, die Nefesch Ha‘Sichli oder die spirituelle Seele, ist unbelastetes, pures Intellekt. Es ist der Teil von mir, der genau versteht, warum ich erschaffen wurde.

Es gibt aber einen weiteren Teil von mir, eine Nefesch Ha’Bahami, oder die physische Selle. Dieser weitere Teil ist auch kräftig und hat Bedürfnisse, aber seine Ambitionen, Antriebe und Wünsche beziehen sich nur auf das was physisch ist. Es sieht lediglich das hier und jetzt. Wenn ich es nicht hören kann, nicht fühlen oder sehen kann, existiert es in ihrer Welt nicht.

Wenn ich mich mit irgendeiner spirituellen Aktivität beschäftige, befinden sich diese zwei Teile von mir in direktem Konflikt. Wenn ich beispielsweise dawene, fühlt ein Teil von mir eine tiefe innere Sehnsucht, HASCHEM näher zu kommen, und ein Teil von mir ist gelangweilt. Ein Teil von mir strahlt, weil ich mich zu meinem Schöpfer verbinde, und einem Teil von mir ist es egal. Die Nefesch Ha’Bahami sieht HASCHEM nicht, kann sich nicht mit HASCHEM identifizieren und hat infolgedessen keine Verbindung zu irgendetwas Spirituellem.

So lange ein Mensch lebt, wird es einen Teil seines Wesens geben, der die Existenz von HASCHEM bestreitet, nicht weil dieser Teil rebellisch ist, nicht weil es irgendetwas Falsches machen möchte, sondern weil es nicht imstande ist, irgendetwas zu sehen das nicht physisch ist. Je mehr ein Mensch wächst, umso klarer identifiziert er sich mit seiner spirituellen Seite, und umso weniger betrübt die Nefesch Ha’Bahami seine Sehkraft. So lange ich aber in einem Körper untergebracht bin, bleibt diese Dunkelheit ein Teil von mir.

Die Antwort zu Noach

Die Antwort auf die Frage scheint zu sein, dass Noach ein wahrer Gläubiger war. Er hatte einen mächtigen, standhaften Glauben, dass alles was HASCHEM voraussagt, tatsächlich in Erfüllung gehen wird. Aber das war nur die Hälfte von ihm. Es gab einen weiteren Teil von Noach, der HASCHEM nicht sah, der sich nicht mit HASCHEM identifizieren konnte, und der nichts über das hier und jetzt hinaus sehen konnte. Dieser Teil bestritt, dass es eine Flut geben wird.

Sogar ein Isch Tzadik, der 120 Jahre damit verbrachte zu lehren, dass HASCHEM die Flut bringen wird, war immer noch ein Mensch, und als solcher konnte er es nicht vollständig kommen sehen. Erst als der Regen begann, wurde es real für ihn, und dann ging er in die Teiwah.

Die Dunkelheit des physischen

Dieses Konzept ist für uns sehr relevant, denn gleichgültig welche Stufe ein Mensch erreicht hat, wird es immer einen Teil von ihm geben, der alles Spirituelle abstreitet. Es wird immer einen Teil von mir geben, der sich auf dieser Welt allein fühlt, weil er HASCHEM nicht sehen kann, und sich mit nichts identifizieren kann, das nicht physisch ist. Es gibt aber eine weitere Dimension von mir, die intuitiv weiss, dass HASCHEM hier ist, die Welt leitet und in jedes Detail meines Lebens involviert ist.

Die grosse Herausforderung des Lebens liegt darin, dem angeborenen Verständnis des Spirituellen zu ermöglichen an den Vordergrund zu treten. Durch das Arbeiten auf Dawenen, Torah Lernen und dadurch dass man versucht HASCHEM nahe zu kommen, wird dieses Verständnis stärker und lebhafter. Der Mensch muss sich aber daran erinnern, dass solange er menschlich ist, Unklarheit in seinen Gedanken vorhanden sein wird, eine Dunkelheit bezüglich allem Spirituellen, da sie hinter einem schweren Umhang von Physischem verborgen bleiben.

Dies ist ein Auszug aus dem Shmuz auf dem Parsha Buch..

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