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Ich tue nie etwas Falsches

Rede zu den Kindern Jisrael und sprich zu ihnen: So Jemandes Weib ausschweift und ihm untreu wird…“BaMidbar 5:12

Die Parscha der Sotah

Die Torah beschreibt die Details einer Sotah. Benimmt sich eine Frau auf eine Art die ihren Ehemann dazu veranlasst, sie der Untreue zu verdächtigen, so sollte er sie warnen, sich nicht mit diesem anderen Mann zu verbergen. Missachtet sie diese Warnung, so muss ihr Mann sie zum Kohen bringen. Der Kohen wird ihr das „bittere Wasser“ zum Trinken geben. War sie untreu, so wird sie sofort sterben. War sie nicht untreu, so wird sie erlöst und gesegnet.

Wenn die Torah die Details auslegt, benutzt sie einen ungewöhnlichen Ausdruck: כי תשטה „So Jemandes Weib tisthe„. Das Wort „tischte“ kommt von der Wurzel „schote“, was Wahnsinn bedeutet. Es ist als würde man sagen, „Wenn ein Mann seine Frau des Wahnsinns beschuldigt“.

Raschi hat Mühe mit der Wahl dieses Ausdrucks. Er erklärt basierend auf der Gemara, dass Ehebrecher nicht sündigen, bis sie nicht eine Welle des Wahnsinns belegt. Der Siftei Chachamim erklärt dies so, „bis ihr Jetzer Harah sie lehrt es sei erlaubt“.

Es scheint klar vom Siftei Chachamim hervorzugehen, dass die Methode des Jetzer Harah darin besteht, die potenziellen Sünder davon zu überzeugen, die verführende Handlung sei erlaubt. Nur wenn es funktioniert, und sie überzeugt wurden, werden sie auch sündigen.

Diese Erklärung – Menschen würden nur dann sündigen wenn sie davon überzeugt sind es sei erlaubt – scheint schwer zu verstehen. Wenn wir von einer religiösen, anständigen jüdischen Frau sprechen, welche in eine schlimme Situation gelang, dann weiss sie, dass die Handlung die sie begehen möchte, verboten ist. Wie kann der Jetzer Harah sie lehren, es sei erlaubt? Andererseits spricht die Torah vielleicht vom anderen Extrem – einer Frau welche vom Weg abwich, und die es einfach nicht mehr interessiert. Warum braucht sie den Jetzer Harah um ihr zu sagen, es sei erlaubt? Es kümmert sie nicht.

Auf beiden Enden des Spektrums also, sollte der Jetzer Harah entweder nicht imstande sein die Person davon zu überzeugen es sei erlaubt, oder es sollte nicht notwendig sein, sie zu überzeugen.

Ich tue nie etwas Falsches

Die Antwort auf diese Frage basiert auf dem Verständnis einer der konsequentesten Eigenarten der menschlichen Natur: „Ich tue nie etwas Falsches“. Ob man von intellektuellen Erwachsenen spricht, oder von Schulkindern, von Richtern des höchsten Gerichtshofes oder von verurteilten Verbrecher, der Mensch scheint nie etwas Falsches zu tun. Gefängniswärter sagen, ihre Gefängnisse seien gefüllt mit Menschen die behaupten sie seien unschuldig. Kriminelle haben nicht Unrecht. Ganoven haben nicht Unrecht. Mörder haben nicht Unrecht. Man wird keinen Ganoven antreffen der ausruft, „Ja, es ist schlimm, zu morden und zu plündern, was aber kann ich tun? Ich bin schwach und gebe meinen Begierden nach“. Anstelle dessen, wird man ein komplettes Glaubenssystem vernehmen, welches erklärt, dass seine Herangehensweise zum Leben besser ist für die Gesellschaft und die Welt.

Die Frage ist warum? Warum kann man nicht einfach zugeben: es ist falsch zu stehlen, aber ich möchte es trotzdem tun?

Die innere Funktionsweise des Menschen

Der Grund dafür hat mit der inneren Funktionsweise des Menschen zu tun. HASCHEM erschuf den Menschen aus zwei verschiedenen Teilen. Einer umfasst alle Triebe und Leidenschaften die im Tierreich auffindbar sind; es sind bloss grundlegende Instinkte und Begehren. Der andere Teil des Menschen ist purer Intellekt: heilig, gut und gebend. Dieser Teil von mir möchte grosszügig und nobel sein und strebt lediglich nach dem was gut ist.

Da dieser Teil von mir aus purem Intellekt und Weisheit besteht, würde es mich niemals sündigen lassen. Es sieht das Wirkung zu klar. Es versteht, dass alle Gebote von HASCHEM gut für mich sind und dass jede Sünde mir schadet. Aufgrund dieser kristallklaren Einsicht, würde der Mensch niemals freien Willen haben zu sündigen. Theoretisch könnte er dazu verführt werden zu sündigen, aber er würde nie wirklich zur Tat kommen. Es würde gleich sein, wie die eigene Hand in ein Feuer zu halten. Theoretisch könnte er es tun, aber es würde niemals geschehen. Es wäre dumm, es zu tun. Hätte HASCHEM den Menschen also nur mit diesen zwei Teilen erschaffen, würde der Mensch nicht über freien Willen im praktischen Sinne verfügen.

Um es dem Menschen zu ermöglichen in Versuchung zu geraten, so dass er sich für eine Richtung entscheiden und für seine richtigen Entscheidungen belohnt werden kann, hat HASCHEM eine weitere Komponente in den Menschen gelegt: Einbildungskraft. Die Einbildungskraft ist die kreative Fähigkeit, ein geistiges Bild zu gestalten, und es so lebhaft zu fühlen als wäre es real. Mit Einbildungskraft gerüstet, kann der Mensch fantastische Welten gemäss seinem Willen kreieren und wirklich an sie glauben. Möchte ein Mensch böse werden, so kann er Rationalisierungen kreieren um diese Wege nobel und richtig erscheinen zu lassen – und sich zumindest selbst betrügen. Wenn er es wünscht, kann er das tun was richtig ist, oder er kann bösartig werden, wenn er es möchte. Selbst sein brillanter Intellekt, wird ihn nicht beschützen. Es ist dazu fähig, vollständige Weltanschauungen zu kreieren, die erklären wie das Verhalten das er begehrt gerecht, korrekt, und angemessen ist. Jetzt hat der Mensch freien Willen.

Die Antwort auf Raschi besteht aus zwei Ebenen. Als erstes sehen wir die Macht der Rationalisierung. Sogar eine religiöse Frau, die in dem besten Haus aufgewachsen ist, kann auf gewisser Ebene davon überzeugt werden, dass verbotene Beziehungen erlaubt sind. Der Jetzer Harah wird ihre Einbildungskraft nutzen, und geschickte und kreative Wege kreieren um zu erklären, dass schwarz weiss ist, drinnen draussen ist, und arajos erlaubt sind. So lächerlich es auch tönt, dies ist die Macht die dem Jetzer Harah gegeben wurde.

Die zweite Idee ist, dass sogar die Frau welche den Eindruck vermittelt, vom Wege abgewichen zu sein und keine Entschuldigung zu benötigen, in Wirklichkeit ja eine braucht. Kein Mensch kann je etwas tun das falsch ist. Aufgrund der Grösse ihrer Seele und der Wahrheit die sie tief innerlich kennt, versteht sie, dass es für eine verheiratete Frau verboten ist zu einem anderen Mann zu gehen. Die einzige Möglichkeit für sie, die Handlung zu begehen, besteht darin, dass sie eine Erklärung hat warum es in Wirklichkeit erlaubt ist. Der Mensch ist unfähig etwas Falsches zu tun. Die einzige Möglichkeit für ihn etwas Falsches zu tun besteht darin es richtig erscheinen zu lassen.

Dies ist ein Auszug aus dem Shmuz auf dem Parsha Buch..

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