Fragen haben Antworten – Antworten haben keine Antworten

Und es lehnte sich auf Korach, Sohn Jizhar, Sohn Kehat, Sohn Lewi, und Datan und Abiram, Söhne Eliab, und On, Sohn Pelet, Söhne Reubens“Bamidbar 16:1

Korach’s Aufstand

Die Parscha beginnt damit, dass Korach 250 Männer von Statur versammelt, und einen Aufstand gegen Mosche und HASCHEM organisiert hat.

Raschi erklärt, dass Korach’s Motivation Eifersucht war; er fühlte er hätte zum Nasi seines Schevet berufen werden sollen und suchte Rache. Obschon Mosche Rabeinu von HASCHEM den Befehl erhielt, Elizaphan Ben Uziel zu dieser Position zu berufen, fühlte Korach, dass Mosche diese Entscheidung selbst traf, und so machte er sich also auf, in abzusetzen. Er wollte beweisen, dass Mosche Dinge im Namen von HASCHEM sagte, welche ihm HASCHEM nie zu sagen beauftragte.

Um seinen Punkt zu beweisen, versammelte Korach 250 Führer des jüdischen Volkes und gab jedem von ihnen einen Tallis welcher gänzlich aus Techeiles gefertigt war. (Ein Tallis benötigt nur einen Faden der Tzitzis der mit der purpurroten/blauen Farbe des Techeiles gefärbt ist.)

Korach brachte diese Gruppe vor Mosche und fragte: „Wenn jemand ein Gewand besitzt, welches gänzlich aus Techeiles besteht, ist er dann noch verpflichtet, Tzitzis daran anzubringen?“.

Mosche antwortete: „Er ist verpflichtet“.

„Macht dies einen Sinn?“ fragte Korach. „Ein Gewand welches gänzlich aus Wolle besteht, bedarf lediglich eines Fadens aus Techeiles, und doch behauptest du, dass ein Gewand welches gänzlich aus Techeiles besteht, zusätzliches Techeiles bedarf. Dies ist unmöglich!“.

Die gesamte Gruppe begann Mosche auszulachen, und damit startete Korach seinen Aufstand.

Korach‘s Frage war nicht so kräftig

Es scheint klar vom Medrasch hervorzugehen, dass Korach‘s Strategie darin bestand, eine Frage zu stellen die so schwer war, dass Mosche nicht imstande sein sollte, sie zu beantworten. Dies würde beweisen, dass die Dinge die Mosche sprach nicht von HASCHEM stammten. Die Schwierigkeit mit diesem Raschi ist: Was ist so schwer bei der Frage die Korach stellte? Es kann ja wirklich sein, dass ein gänzlich aus Wolle hergestelltes Gewand, Tzitzis mit einem Faden aus Techeiles bedarf, und ein Gewand gänzlich hergestellt aus Techeiles ebenfalls Tzitzis mit einem Faden aus Techeiles braucht. Die Frage scheint nicht besonders bedrückend.

Überdies, gibt es viel schwerere Fragen die Korach hätte stellen können, wenn er Fragen stellen wollte. Der Medrasch erzählt uns, Schlomo Ha’Melech konnte das System der Parah Adumah nicht verstehen. Der Zweck der Parah Adumah liegt darin, denjenigen zu reinigen der mit ihrer Asche besprengt wird. Warum soll der Kohen der die Asche streut, durch diese Handlung unrein werden? Wenn es sich um ein Ereignis handelt welches reinigt, wie kann es dann dazu führen, dass derjenige der die Handlung ausübt unrein wird? Dies ist ein Rätsel. Hätte Korach nach einer nicht zu beantwortenden Frage gesucht um Mosche zu widerlegen, so hätte er diese oder viele andere schwierige Fragen stellen können. Was war so schwierig bezüglich der Frage des Techeiles, so dass sie 250 Torah – Gelehrte dazu brachte, über Mosches Antwort zu lachen?

Die Antwort basiert auf dem Verständnis wie Vorurteile den Verstand des Menschen blenden.

Fragen haben Antworten; Antworten haben keine Antworten

Raw Chaim Volozhin wurde einmal von einem Studenten kontaktiert, der die Yeschiwa verlassen hatte. Dies war zu einer Zeit da die Aufklärung in vollem Schwunge war, und viele junge beeinflussbare Yeschiwa Studenten beeindruckt wurden durch den Köder der modernen Studien, welche versprachen, alle Bedürfnisse der Menschheit zu erfüllen. Die Wege der Torah wurden als veraltet und überholt betrachtet; allein die Wissenschaft konnte Antworten liefern für alles was die Welt schmerzte.

Nach langer Zeit ausserhalb der Yeschiwa, wollte dieser Student zurückkehren. „Ich möchte zurückkommen“, sagte er zu Raw Chaim, „aber ich habe viele Fragen“.

Raw Chaim fragte ihn, „Sind dir diese Fragen gekommen als du noch in der Yeschiwa warst, oder nachdem du weggegangen bist?“

Der Junge fragte unschuldig: „Was für einen Unterschied macht das? Dies sind Fragen die ich habe“.

Raw Chaim erwiderte: „Wenn diese Fragen dich beschäftigten bevor du die Yeschiwa verlassen hast, dann sind es Fragen, und auf Fragen habe ich Antworten. Wenn diese Fragen aber erst nachdem du die Yeschiwa verlassen hast, begonnen haben dich zu beschäftigen, dann sind es keine Fragen; sie sind Antworten. Auf Antworten, habe ich keine Antworten“.

Vorurteile blenden den Menschen

Raw Chaim erklärte ein grundlegendes Prinzip im Menschen: dass Vorurteile, unsere Fähigkeit zu verstehen stark beeinflussen. Hat eine Person ein Vorurteil gegen eine Denkensweise, dann ist sie nicht aufnahmebereit und sie wird unfähig sein die Wahrheit zu hören, gleichgültig wie klar und gleichgültig wie offensichtlich – sie hört einfach nicht zu. Um die Willensfreiheit zu ermöglichen, gab HASCHEM dem Menschen diese unheimliche Fähigkeit, den Verstand zu verschliessen, alle Beweise und jegliche Logik zu ignorieren und blindlings seinen Wünschen zu folgen. Wenn ein Mensch sich etwas ausgedacht hat und die Wahrheit nicht hören möchte, gibt es nichts was ihm beweisen kann, er liege falsch. Sein Verstand ist verschlossen.

Dies scheint uns zu ermöglichen, die Frage Korach’s zu verstehen. Korach wollte Mosche nicht dazu bringen, nach der Wahrheit zu suchen; seine einzige Absicht lag darin Mosche zu verspotten und ihn in Misskredit zu bringen. Bei dieser Einstellung, spielte es keine Rolle wie schwer die Frage ist und ob es eine Antwort für sie gibt. Es gab keine Frage, nur Verachtung und Hohn in Gestalt einer Frage. Es war eine Frage die keine Antwort hatte, weil es keine Frage war – es war eine Antwort.

Dieses Konzept hat grosse Relevanz in unserem Leben. Es wird Zeiten geben wo wir verwirrt sein werden durch Situationen die wir nicht zu verstehen vermögen. Wir wissen nicht in welche Richtung zu wenden, und die Antworten die wir suchen, erscheinen nicht. Es kann gut sein, dass wir die Antwort nicht finden können, aber manchmal wenn die Antwort uns entgeht, ist es nicht weil die Antwort nicht existiert, sondern weil wir nicht zuhören. Manchmal ist die Antwort gerade da, aber wir sind nicht offen für sie und so können wir sie nicht hören. Es ist nicht so, dass keine Antworten existieren; wir stellen einfach keine Fragen.

HASCHEM erschuf den Menschen mit einem Herz der Wahrheit, und wenn ein Mensch seine Vorurteile wegstellt und seinen Verstand öffnet, dann ist er imstande die Antwort zu hören. Der Schlüssel zu diesem Vorgang liegt darin, sich eine Frage zu stellen: Was ist die Wahrheit? Vergiss meine eigenen Interessen; vergiss die Konsequenzen; was ist der richtige Pfad? Was möchte HASCHEM, dass ich tun soll? Wenn ein Mensch diesen Prozess befolgt, dann wird ihn sein inneres Gefühl durch die Dunkelheit führen und er wird in der Lage sein, die Wahrheit zu finden.

Dies ist ein Auszug aus dem Shmuz auf dem Parsha Buch..

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