Beschränkende Annahmen

Und nun Jisrael, was verlangt HASCHEM dein G“tt von dir, nur dass du fürchtest HASCHEM deinen G“tt, dass du auf all Seinen Wegen wandelst und Ihn liebst, und dienest HASCHEM deinem G“tt mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele.“Dewarim 10:12

In diesem Passuk legt Mosche Rabeinu dem jüdischen Volk die Kategorien der Leistungen und des Wachstums des Menschen vor.

  1. HASCHEM zu fürchten
  2. In all Seinen Wegen zu gehen
  3. HASCHEM zu lieben
  4. Ihm mit dem ganzen Herzen und der ganzen Seele zu dienen.

Jede Kategorie ist eine Welt für sich, und es würde einem Menschen eine Lebenszeit nehmen, um sie zu erreichen. Zusammen umfassen diese vier Gruppen alle Dienste zu HASCHEM und stellen das Mass für die Perfektion des Menschen dar.

Wenn Mosche diese Konzepte der jüdischen Nation vorstellt, beginnt er aber erstaunlicherweise mit dem Ausdruck von: „Was verlangt HASCHEM von dir, nur dass“. Es ist als würde impliziert, dass es sich lediglich um einen kleinen Wunsch handelt.

Die Gemara in Brachot hat Mühe damit und fragt: „Ist Furcht vor HASCHEM eine kleine Sache?“ Die Gemara antwortet: „Ja, für Mosche war es eine kleine Sache. Für einen armen Mann, sehen auch kleine Gegenstände wertvoll aus. Für einen reichen Mann sehen aber sogar gewaltige Beträge klein aus“. Da Mosche solch spirituelle Perfektion erreicht hatte, schienen diese Dinge einfach für ihn; daher nutze er diesen Ausdruck: „was verlangt HASCHEM von dir, nur dass.

Warum sollte Mosche Rabeinu sich selbst mit der durchschnittlichen Person vergleichen?

Die Schwierigkeit mit dieser Gemara ist, dass sie impliziert, dass Mosche sich selbst als Standardmass für die durchschnittliche Person nutzte. Es ist als würde er andeuten: „Wenn ich dies erreichen kann, dann kannst du es auch“. Wir wissen aber, dass Mosche jeden jemals erschaffenen Menschen überragte. Er erreichte schwindelerregende Höhen der Perfektion, welche kein Mensch vorher oder nachher erreichen wird. Nach 80 Jahren beispiellosem Wachsen, verbrachte er 40 Tage ohne Essen, Trinken oder Schlaf, und wurde durch HASCHEM über die ganze Torah unterrichtet. Für die nächsten vierzig Jahre war er damit beschäftigt dem jüdischen Volk diese Torah zu lehren. An diesem Punkt seines Lebens ist er ein riesiger Mann, und auf keiner Weise kann er mit der typischen Person verglichen werden. Während diese Dinge ihm also nicht als erhaben erschienen, waren sie für sein Publikum gewaltig. Warum sollte Mosche seine eigenen Erfahrungen als Massstab benutzen, mit dem sich die durchschnittliche Person vergleichen soll?

Die Antwort auf diese Frage basiert auf einer anderen Perspektive auf die Menschliche Kapazität. Um diesen Gesichtspunkt zu verstehen, sollen wir ein interessantes Phänomen betrachten.

An einen Pflock im Boden angebunden sein

In Teilen von Asien ist der Elefant nach wie vor das Tier der Wahl, um schwere Lasten zu schleppen. Als Teil seines Arbeitstages, zieht ein erwachsener Elefant Baumstämme welche tausende Pfunde wiegen, über weite Strecken von Unterholz. Bei Nacht wird derselbe Elefant aber dadurch kontrolliert, dass er an einen kleinen Pflock im Boden angebunden wird.

Obwohl es für jeden von uns klar wäre, dass sich eine 14‘000 Pfund Kreatur leicht von dem schwachen Seil losreissen kann das es hält, ist es Realität, dass sie nicht kann. Sie kann nicht entkommen – nicht weil sie nicht motiviert ist und nicht weil sie nicht möchte, sondern weil es gemäss dem Verständnis des Elefanten einfach nicht machbar ist.

In diesem Teil der Welt, wird der Elefant gleich nach seiner Geburt an einen Pflock im Boden angebunden. In diesem Stadium seiner Entwicklung wiegt er vielleicht 250 Pfund und ist nicht stark genug, um das Seil zu reissen das ihn hält. Von diesem Punkt an, wird der Elefant jeden Tag seines Lebens an diesen Pflock am Boden angebunden. Sogar wenn das Tier bereits erwachsen ist und dazu berufen wird, gefällte Bäume zu schleppen welche über 4‘000 Pfund wiegen, wird es immer noch an einen kleinen Pflock angebunden bleiben. Das Verständnis ist standhaft in ihrem Verstand fixiert: es kann nicht entkommen.

Beschränkende Annahmen

Oft sind wir an Pflöcke im Boden angebunden. Es gibt viele Situationen in denen wir nicht nach Grösse heraufreichen, weil wir zurückgehalten werden – nicht durch Seile, sondern durch beschränkende Annahmen, welche uns davon abhalten, uns von den Gewohnheiten und den Routineentscheidungen loszureissen, welche unser Wachstum hemmen.

Mosche Rabeinu belieferte uns mit einer unschätzbaren Lehre.  Er demonstrierte uns die Kapazität des Menschen. Er zeigte uns, wie gross eine Person sein kann. Schlussendlich war Mosche aus derselben Substanz erschaffen wie du und ich. Er war eine Person mit Trieben, Wünschen und Neigungen. Er hat sie überwunden. Er machte sich selbst zu etwas grossem. Er nahm die natürlichen Stärken und Schwächen die ihm gegeben wurden und veränderte seine innere Natur dadurch, dass er fortwährend die richtigen Entscheidungen traf. Schliesslich erreichte er den Punkt wo er die absoluten Höhen der Perfektion sehen und sagen konnte: „Und wenn schon? Dies ist keine grosse Sache. Es kann leicht getan werden“.

Die Lehre für uns liegt darin, dass auch wir diese Kapazität haben. Das Leben ist nichts ausser die Gelegenheit, Entscheidungen zu treffen. Wenn von diesem Moment an, jede Entscheidung die ich traf, die richtige war, wenn ich all mein Eigennutzen wegstellen und mich fragen würde „was denke ich, ist der richtige Weg zu handeln? Was denke ich, möchte HASCHEM von mir in dieser Situation? Nicht was will ich, nicht was begehre ich, sondern was ist der richtige Weg?“ Ich habe das intuitive Gefühl imstande zu sein, korrekt zu antworten, und die Fähigkeit den richtigen Weg zu finden.

Dieser Prozess, die richtigen Entscheidungen zu treffen, formt mich zu einer anderen Person. Es startet den Prozess der Veränderung. Ist dieser Prozess einmal am Laufen, werde ich Schritt für Schritt zu einer anderen Person werden und das Leben aus einer anderen Perspektive betrachten, wenn ich ihn fortführe und mich konsequent für das entscheide was richtig und passend ist.

Obwohl es wahr ist, dass das Dienen von HASCHEM Arbeit erfordert, gibt es einen Teil in jeder Person welcher sich natürlich danach sehnt das zu tun was richtig ist. Es gibt einen Teil von mir, der stark nach einer Beziehung mit HASCHEM verlangt. Wenn ich mich auf diesen Teil einstelle und Vorbilder nutze, die solche Höhen erreicht haben, kann auch ich die schwindelerregenden Höhen von Grösse erreichen, für welche ich erschaffen wurde.

Dies ist ein Auszug aus dem Shmuz auf dem Parsha Buch..

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