Behar: Jedermann tut es

Die Mitzva am Yovel das Shofar zu blasen

Wenn wir uns in unserem eigenen Land befinden, sind wir verpflichtet jedes siebte Jahr als Schemitta Jahr zu halten, und nach sieben Schemitta Jahren ein weiteres Schemitta Jahr hinzuzufügen; den Yovel. Während diesem Jahr bleiben alle Felder unbearbeitet und liegen brach. Die Heimstätten kehren zu ihren ursprünglichen Besitzern zurück, und alle jüdischen Sklaven werden befreit.

Am Yom Kippur, zu Beginn des Yovel Jahres, unterliegen wir dem spezifischen Gebot, in der Öffentlichkeit das Shofar zu blasen.

Warum wir am Yovel das Schofar blasen

Der Sefer HaChinuch erklärt, die Torah befehle uns das Shofar am Yovel zu blasen, da es eine sehr schwere Mitzvah ist, die Sklaven zu befreien; und die Sklavenbesitzer brauchen chizuk. Ein Herr der viele Jahre im Besitz eines Sklaven war, wurde wahrscheinlich von diesem abhängig und hat Schwierigkeiten damit, sich von ihm zu trennen. Durch Ertönen des Shofars, verkünden wir öffentlich es sei der Yovel, und alle Juden werden ihre Sklaven befreien. Der Sklaveninhaber wird dadurch erkennen, dass überall im Land Israel, jedermann seine Sklaven befreit, und dies erleichtert es ihm, seinen eigenen Sklaven zu befreien.

Warum ist es einfacher weil es andere ebenfalls tun?

Wieso sollte die Tatsache, dass andere Leute es ebenfalls tun, es ihm erleichtern seinen Sklaven aufzugeben?

Diese Aussage ist schwer zu verstehen. Warum wird es einfacher für einen Sklaveninhaber, seinen Sklaven zu befreien, weil andere dasselbe tun? Der Sklaveninhaber ist ein Geschäftsmann, kein Teenager. Wir haben es mit einer erwachsenen Person zu tun, die einer schweren Prüfung gegenübersteht. Welchen Unterschied macht es für ihn, ob es sich um eine populäre Mitzvah handelt oder nicht? Die Mitzvah ist schwierig, weil von ihm verlangt wird, etwas aufzugeben an das er sich gewöhnt hat und von dem er abhängig geworden ist. Wenn es dies ist, was die Mitzvah schwierig macht, was für einen Unterschied macht es für ihn, ob viele andere Leute dasselbe tun, oder ob er der einzige Mensch auf dem Planeten ist, der es tut?

Die menschliche Natur verstehen

Die Antwort auf diese Frage basiert auf dem Verständnis der menschlichen Natur. Psychologen von Freud bis zu Skinner und Maslow haben die innere Natur des Menschen für Jahrzehnte diskutiert. Mit sich immer ändernden Anschauungen und Verständnissen, die jeweils von der einen Generation als Evangelium akzeptiert und durch die nächste Generation als Unsinn verworfen werden. Hier, an dieser Stelle erhalten wir Einblick in die Natur des Menschen, von Demjenigen Der es wirklich weiss – von seinem Schöpfer.

Dieses Verständnis ist, dass wir Menschen hoch sozial sind. Wir sind von unserer Umgebung beeinflusst. Das Tun unserer Umgebung beeinflusst unsere Perspektive auf die Welt. Sozialer Druck, beeinflusst nicht nur die Welt eines Teenagers, sondern jeden. „Meine Umgebung“, „meine Chevra“ und „meine Gesellschaft“, beeinflussen die Art wie ich Dinge sehe. Schliesslich helfen sie dabei mein Wertesystem zu gestalten.

Die Torah lehrt uns, dass auch ein Erwachsener der einer schweren Prüfung gegenübersteht, stark davon beeinflusst sein wird, was die anderen tun. Wenn etwas von jedem getan wird, wird es für ihn viel einfacher sein. Es wird seinen finanziellen Verlust nicht vermindern, und es wird die Last einen loyalen Diener zu ersetzen, nicht vereinfachen, aber es wird ihm dabei helfen, seine Kraft zu sammeln um die korrekte Entscheidung zu treffen; da es ja jedermann tut.

Unsere eigene Gesellschaft schaffen

Dieses Konzept hat sehr reale Bedeutung in unserem Leben. Wir leben in Zeiten, wo die Gesellschaft seine Moral verloren hat. Besonders in den Vereinigten Staaten, einst eine Bastion von Familienwerten und Moralität, sehen wir täglich neue Innovationen von Verfall und Freizügigkeit. Wir können keine Zeitung aufschlagen, ohne neuem moralischen Zerfall ausgesetzt zu sein. Ideen, Konzepte, und Bilder welche eine Generation zuvor, von den meisten Arten der Publikation niemals akzeptiert wurden, sind heute alltäglich bei den respektvollsten Veröffentlichungen.

Wir könnten in Versuchung geraten, zu glauben dies würde uns nicht beeinflussen. Schlussendlich sind wir anders. Wir finden uns mit der Kultur der Zeit nicht ab. Und während wir uns selbstbewusst und sicher in unserer Position fühlen, ist die Realität, dass wir Menschen sind und es uns schliesslich doch beeinflusst. Die Frage ist: Was können wir diesbezüglich tun?

Die ganze Welt ist sich einig

Die Gemara benutzt oft den Ausdruck „kulei alma lo pligi“ – „die ganze Welt ist sich einig.“ Für die Torah Gelehrten war ihre Welt die gesamte Welt. Derjenige der eine Meinung bezüglich einer Streitfrage in der Halacha hatte, war in der Welt. Derjenige der nicht, war nicht in der Welt. Dies ist illustrativ für eine Perspektive. Während sie sich gewiss über die Leute ausserhalb Ihrem Bereich bewusst waren, kreierten sie ihre eigene Welt.

Dies mag klösterlich erscheinen, basiert aber auf dem fundamentalen Verständnis des Menschen. Um rein zu bleiben in einer unmoralischen Welt, müssen wir unsere eigene Welt kreieren.

Bis zu einem gewissen Grade, haben wir genau das getan. Wir haben heute unsere eigene Musik, unsere eigenen Novelle, und unsere eigenen Magazine. Bis zu einem gewissen Punkt, haben wir unsere eigene Kultur kreiert. Aber dies hat seine Kosten. Es ist fraglos, dass die New York Times bessere Autoren hat, als Yated oder Hamodia. Die Welt der jüdischen Musik ist recht limitiert bezüglich Spielraum und Entwicklung. Es gibt vieles dort draussen in der Welt, was grossen Wert enthält, aber es kommt nicht ohne einen Preis. In unseren Zeiten, wiegt dieser Preis den Vorteil bei weitem auf.

Für manche möge dies wie „Ghetto Judentum“ klingen – limitierend, verschlossen und isoliert von der Welt. Und in Wirklichkeit, es ist so. Aber es zeugt nicht von Engstirnigkeit. Es rührt von der Erkennung des Ausmasses des Problems und der Natur des Menschen. Die bedauerliche Realität ist, dass wir nicht einfach das Gute nehmen, und das Schlechte ignorieren können. Wenn wir als heilige Nation in diesen Zeiten leben wollen, müssen wir eine Oase der Reinheit kreieren. Wir müssen unsere eigene Welt erschaffen.